Masterarbeit, bestehend aus dem ganzheitlichen Design eines funktionsfähigen MVP mithilfe des Design-Thinking-Prozesses
Datum
07-09/2024
Kategorie
Design UX/UI
Rolle
Produktdesigner | UX Researcher
Das Projekt Freecoin entstand als Masterarbeit mit dem Ziel, den Design-Thinking-Prozess auf die Entwicklung eines realistischen digitalen Produkts anzuwenden. Die Aufgabe bestand darin, ein funktionsfähiges MVP ganzheitlich zu entwerfen – von der Idee über Markenentwicklung, User Research und Interface bis hin zum Prototyping. Das Projekt musste Kriterien in den Bereichen Forschung, Konzeptvalidierung, Marken- und Produktdesign sowie professionelle visuelle Präsentation erfüllen.

Freecoin ist der Name einer App für den freien Austausch und die Verwaltung von Währungen – sowohl traditioneller (FIAT) als auch Kryptowährungen. Die Idee entstand aus der Beobachtung der zunehmenden Fragmentierung persönlicher Finanzsysteme, in denen eine Person Bankkonten, digitale Wallets und Crypto-Wallets auf mehreren Plattformen besitzt, ohne einfache Möglichkeit zur Integration, Verwaltung oder wirklich freien Nutzung.
Der Name «Freecoin» wurde aufgrund seiner Doppeldeutigkeit gewählt: Einerseits suggeriert er finanzielle Freiheit – die Fähigkeit, selbst zu entscheiden, wie, womit und wann man handelt. Andererseits knüpft er eine Verbindung zur Welt der digitalen Währungen und bleibt dabei einfach und universell. Die Markenentwicklung zielte darauf ab, Dynamik, Autonomie, Transparenz und Zukunftsvision zu vermitteln. Das Logo basiert auf einer kreisförmigen, geometrischen und offenen Form, die Verbindung, Austauschzyklus und Stabilität symbolisiert. Als Schrift wurde Work Sans gewählt, die einen zeitgemässen, klaren Ton hat und sich dem digitalen Umfeld anpasst. Farblich wurde ein Neon-Grün als Primärfarbe definiert, um auf dunklen Hintergründen eine differenzierende Präsenz zu schaffen und gleichzeitig Technologie, Innovation und Energie zu betonen.

Die Designphase der App war vollständig um den Design-Thinking-Prozess herum strukturiert, wodurch ein Übergang von der ersten Intuition zu einem visuell validierten Konzeptprodukt möglich wurde. Zunächst wurde eine Forschungsphase durchgeführt, um zu verstehen, wie aktuelle Nutzer:innen ihre digitalen Finanzen verwalten, welche Hürden sie haben und was sie in Bezug auf Klarheit, Kontrolle und Sicherheit schätzen. Reale Beispiele von Finanzplattformen, digitalen Wallets und Crypto-Lösungen wurden analysiert, um Muster und Chancen zu identifizieren.

Anschliessend wurden die Schlüsselfunktionen definiert: Anzeige von Salden in verschiedenen Währungen, Transaktionshistorie, Verknüpfung externer Konten, sofortige Wechsel, Bewegungshinweise und Nutzungsreputation. Diese Funktionen wurden in Navigationsflüsse organisiert, die das Verständnis erleichtern und kognitive Reibung minimieren. Auf Basis dieser Flows entstanden Wireframes mittlerer Treue, die schrittweise zu einem High-Fidelity-Prototyp in Figma weiterentwickelt wurden – im Einklang mit den definierten Leitlinien der visuellen Identität.
Der Schwerpunkt lag stets darauf, eine intuitive und vertrauenswürdige Erfahrung zu gestalten, in der finanzielle Informationen klar dargestellt werden und das Design das Gefühl von Kontrolle und Freiheit verstärkt. Das visuelle System wurde skalierbar angelegt, mit wiederverwendbaren Elementen, modularen Komponenten und einer flexiblen Farblogik für unterschiedliche Nutzungskontexte.



Die Entwicklung von Freecoin von Grund auf ermöglichte mir, tiefgehend zu erleben, was es bedeutet, ein digitales Produkt von der Wurzel aus aufzubauen – indem strategische Vision, Markenidentität, Benutzererfahrung und Interface miteinander verbunden werden.
Es war eine Übung in Synthese, bei der jede Entscheidung nicht nur einer Ästhetik, sondern auch einer Funktionalität und Systemlogik folgen musste. Die Arbeit in allen Phasen – von der Recherche bis zur Abgabe – gab mir eine umfassende Perspektive auf den Designprozess und machte mir bewusst, wie wichtig es ist, dass Markenidentität und App-Architektur dieselbe Sprache sprechen.
Auf persönlicher Ebene ist Freecoin eines der umfassendsten Projekte, die ich im akademischen Kontext entwickelt habe. Es erlaubte mir, bestehende Wirtschaftsmodelle zu hinterfragen, visuelle Zukünfte der persönlichen Finanzen zu erkunden und vor allem mein Profil als ganzheitlicher Designer zu festigen – als jemand, der über das rein Visuelle hinaus denkt.
Dieses Projekt stärkt meine Überzeugung, dass Design, wenn es richtig gedacht wird, reale, verständliche und wünschenswerte Alternativen selbst in so komplexen Systemen wie der Wirtschaft bieten kann.